Aufs Huhn gekommen - Aktuelle Ausgabe - PRISE

Aufs Huhn gekommen

Pastorin Henrike Koch hält zwei Hühner im Garten. Die Reinstorferin ist mit Tieren aufgewachsen
Von Melanie Jepsen
Henrike Koch verbringt gerne ihre Mittagspause auf der Bank im Garten, umgeben von Bäumen und Sträuchern. Manchmal, so erzählt die Pastorin der Kirchengemeinde Reinstorf, leisten ihr die Hühner Gesellschaft und sitzen plötzlich rechts und links neben ihr auf der Bank. Vor gut einem Jahr ist Henrike Koch sozusagen aufs Huhn gekommen. Seitdem bereichern die beiden Königsberger Hühner ihren Alltag.

Um Tiere hat sich die heute 31-Jährige schon immer gerne gekümmert. Ihre Eltern besitzen einen Hof. Dort lebten immer auch Hühner und Enten. Seit 2018 ist Henrike Koch Pastorin in Reinstorf.
Namen hat sie ihren Hühnern nicht gegeben. „Ich nenne sie oft meine Hühnis oder meine beiden Damen“, sagt Henrike Koch. „Hühner bereichern einfach das Leben. Es ist ein schöner Ausgleich zum strukturierten Tag und hat etwas Beruhigendes.“ Die Reinstorferin führt zu ihrem Stall. Vorsichtig öffnet sie die Tür, da rennen auch schon beide Tiere in den Garten. Den Hühnerstall hat die 31-Jährige zusammen mit ihrem Freund Schritt für Schritt per Bauanleitung aus dem Internet gebaut und dabei auf jedes Detail geachtet, von der Tränke bis zur Sitzstange.
Zoo & Co. Lüneburg
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TIERISCHE BEWOHNER Pastorin Henrike Koch aus Reinstorf hält seit gut einem Jahr zwei Hühner im Garten direkt hinter dem Pfarrhaus.
Im hinteren Bereich des Stalles haben die Hühner einen eigenen Bereich, um Eier zu legen. Über eine Klappe kann Henrike Koch ganz einfach die gelegten Eier aus dem Hühnerstall entnehmen, ohne die Hühner zu stören. Den Kot entsorgt sie über eine eingebaute Schublade. Jeden Tag bekommen die Hühner frisches Wasser und spezielles Geflügelfutter. Die Pflege sei unkompliziert, erklärt die Reinstorferin. Gleichwohl sollten Hühnerhalter aber auf das Gefieder ihrer Tiere achten, um möglichen Milbenbefall oder ähnliches zu erkennen.

Wer wie Henrike Koch selbst Hühner im Garten halten möchte, muss einiges beachten, weiß die Pastorin aus eigener Erfahrung. Wo bekomme ich den Stall her?

Wo kann ich den Mist lassen? Das alles sind Fragen, die vorab geklärt sein wollen. Nicht jeder hat Erfahrung in der Haltung von Hühnern. In diesem Fall rät Henrike Koch, sich bei Geflügelzüchtern zu informieren und sich auszutauschen. Auch sei es wichtig, den Tieren ausreichend Unterschlupf unter Bäumen und Büschen im Garten zu geben, damit sie keine leichte Beute für Raubvögel werden. Alternativ können Hühnerhalter auch ein Netz im Garten spannen.
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FREILAUF Die Hühner können frei auf dem Grundstück herumlaufen. Henrike Koch lässt sie jeden morgen in der Früh aus dem Hühnerstall.
J. Kettenhofen
Jetzt in den warmen Monaten öffnet die Reinstorferin schon um 7 Uhr morgens den Stall, um die Hühner rauszulassen. Eingezäunt leben die Tiere nicht. Stattdessen können sie sich nach Herzenlust bewegen. Nicht selten erkunden die beiden Hühner auch die Gärten der Nachbarn. Bislang haben ihre beiden Damen immer den Weg zurück gefunden. Auf ihre tierischen Bewohner habe sie durchweg nur positive Reaktionen bekommen, freut sich die Pastorin. Auch die Nachbarschaft erfreue sich an den Hühnern. Abends mit Einbruch der Dämmerung holt sie die Tiere wieder in den Hühnerstall. „Es ist einfach schön, sich um Tiere zu kümmern. Auch bei schlechtem Wetter ist man somit mindestens zweimal am Tag draußen.“
Während bei manchen Haltern das Thema Selbstversorgung im Vordergrund steht, ist es bei der Reinstorferin vielmehr die Freude am Leben mit Tier und Natur. Das tägliche Ei sei ein durchaus schöner Nebeneffekt, verrät sie. Beide Hühner haben ihren Rhythmus. Während das eine Huhn immer gegen neun Uhr sein Ei legt, ist das andere immer etwas später am Tag so weit. „Ich finde, dass die Farbe des Eigelbes ganz anders aussieht als die gekaufter Eier“, schwärmt Henrike Koch. Besonders sonntags genießen sie und ihr Partner das Frühstücksei aus eigener Haltung. Nicht selten kommen auch Familie und Freunde in den Genuss der Eier. Es sei ein gegenseitige Versorgen, beschreibt Henrike Koch die Verbindung zu ihren Tieren, die ihr ans Herz gewachsen sind. Sie genieße es jedes Mal, wenn sie in den Garten kommt und die Hühner auf sie zu laufen.
Fotos: be

HÜHNERHALTUNG LEICHT GEMACHT

Um den Hühnern von Anfang an optimale Bedingungen zu bieten, sollten Hobbyfarmer einen selbst gebauten oder gekauften Hühnerstall vorsehen, in dem die Tiere bei schlechtem Wetter Schutz finden. In einem Gehege wiederum können sie sich frei bewegen und Futter aufspüren. Für drei bis fünf Hühner ist ein Hühnerstall von ein bis zwei Quadratmetern mit einer Sitzstange für die Nacht und einem Legenest ausreichend. Dieser Unterschlupf muss einfach zu reinigen sein. Die handelsüblichen Modelle haben Wannen, um die Leerung des Kots zu vereinfachen und den Stall sauber zu halten. Im Gehege sind acht bis zwölf Quadratmeter pro Huhn nötig, damit jedes Tier ausreichend Platz hat. Dieser Auslauf, der auf einfache Weise mit einem Geflügelnetz gebildet werden kann, ermöglicht den Hühnern, zusätzlich zu ihrem Futter auch Insekten und Gras zu fressen. Zudem benötigt der Hühnerhalter Futter- und Wassertröge. Ein abwechslungsreiches Hühnerfutter beinhaltet Körner und Gras oder eingeweichtes Brot sowie Trinkwasser. Als Faustregel gelten rund 120 bis 150 Gramm Futter sowie 250 Milliliter Wasser pro Tag für ein 2,5 Kilogramm schweres Huhn mit einer normalen Legeleistung. Einen besonderen Komfort bieten automatische Hühnertüren für das zeit- oder tageslichtabhängige Öffnen und Schließen der Tür. Alle Komponenten sind im Fachhandel erhältlich. djd
180
bis
200
Eier produziert eine Legehenne pro Jahr

GUT ZU WISSEN

Es gibt unterschiedliche Hühnerrassen, die Eier legen. Professionelle Züchter, Geflügelzuchtvereine oder erfahrene Hobbyfarmer sind hier gute Ansprechpartner und können beraten, welche Sorte zum jeweiligen Halter passt. Die Hühner haben Fress-, Putz-, Ruhe- und Legephasen. Eine Legehenne produziert pro Jahr 180 bis 200 Eier, erstmals im Alter von fünf bis sieben Monaten und ab dann regelmäßig bis zu einem Alter von etwa drei Jahren. Die Eier kommen in Zyklen: Je nach Rasse legt ein Huhn entweder fünf oder sieben Tage lang jeweils ein Ei, dann folgen ein oder zwei Tage Ruhepause. Frische Eier kann man bis zu 28 Tage nach dem Legedatum verzehren. djd