Doppelt hält besser - Aktuelle Ausgabe - PRISE

Doppelt hält besser

Was eine Eissorte und eine Fernsehserie aus den 80ern mit großen Flaschen gemeinsam haben
Der Begriff „Magnum“ ruft unterschiedliche Assoziationen hervor. Ich habe da immer an mein Lieblingseis gedacht, doch jetzt kommen mir fröhliche Tafelrunden in den Sinn. „Magnum“ wird nämlich in der Weinwelt lapidar für alles gebraucht, was als Großflasche durchgeht. Auch wenn damit (s. Infokasten) eigentlich Glasgebinde mit 2x 0,75 l bezeichnet werden. Wein im Doppelpaket, sozusagen. Passend dazu habe ich ein Doppelinterview mit Moselwinzer Nik Weis und dessen Verkaufsleiter Ralf Schäfer geführt. Weis, von Kritiker Gerhard Eichelmann zum Winzer des Jahres 2017 gewählt, führt sein Familienweingut Nik Weis St. Urbanshof in dritter Generation. Sein Credo: „Ich mache keinen Riesling, ich mache Mosel.“

Nik Weis erzählt mir, dass die Idee, Wein in Glasflaschen zu lagern, noch recht neu sei. „In der Antike benutzte man Amphoren, die Wegwerfprodukte waren, quasi damalige Tetra Paks. Im Mittelalter war die Lagerung im Fass gang und gäbe. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hatte man die Möglichkeit, Glas günstig und einheitlich herzustellen.“

Angefangen habe das in Champagnerhäusern, weiß Ralf Schäfer. Dort habe man schon früh mit der Weinlagerung in Magnums experimentiert: „In diesen zugegeben sehr schweren Flaschen konnten erhebliche Mengen an Ware transportiert werden. Bald schauten sich die Weingüter aus Bordeaux diese Praktik ab und so langsam verbreitete sich die Idee.“

Wein in größere Flaschen abzufüllen, habe zwei klare Vorteile. Erstens sehe es viel schöner aus; ein nicht unerheblicher Aspekt, wie die beiden Weinkenner finden. Und zweitens könne der Wein in Magnums besser reifen: „In jeder Weinflasche befindet sich eine kleine Luftblase“, so Nik Weis.

„Der darin enthaltene Sauerstoff wird vom Wein absorbiert und er ,reift‘, wie wir so schön sagen. In den großen Flaschen ist nun das Verhältnis von Wein zu Luft viel geringer; das Produkt verändert sich demnach langsamer.“ Lagerte man also 100 000 l Wein in einem entsprechend großen Stahltank, würde sich dessen Geschmack über 20 Jahre hinweg nicht verändern. Das seien allerdings nur Gedankenspiele, wie Weis augenzwinkernd hinzufügt.
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Wabnitz Weinhandlung
Wer die Preise von „ganzen“ Flaschen und Magnums vergleicht, dem wird schnell ein Unterschied auffallen: große Flaschen sind im Verhältnis teurer. Nik Weis erklärt, woran das liegt: „Wir haben ganz andere Stückkosten für die Magnums. Das fängt beim Glas an, statt 30 Cent bei 0,75 l sind es bei 3 l knapp 10 Euro. Flaschen für 6 l kosten roh sogar fast 50 Euro.“ Zudem werden größere Etiketten und Korken benötigt und teilweise müsse per Hand gefüllt werden. Auch der Transport spiele eine Rolle: „Die 1,5 bis 3 Liter können in entsprechenden Kartons standardisiert versendet werden, sie sind auch nicht zu schwer. Bei 6 Litern muss man schon sehr vorsichtig sein, und 12-Liter- Flaschen sind wahre Möbelstücke.“

Gesteigert werde der Prestigewert zudem durch die einzigartige Verschlusstechnik, sagt Nik Weis: „Wenn wir wegen der größeren Flaschenränder andere Korken verwenden müssen, haben wir meist keine Schutzkapseln aus Plastik, wie man sie von den Standardflaschen kennt. Also tauchen wir den Flaschenkopf in roten Siegellack, der den Korken stabilisiert.“ Das sehe richtig schick aus und sei obendrein noch praktisch. Der Lack könne nämlich beim Öffnen einfach mit dem Korkenzieher durchbrochen werden.

Doch der Mehrpreis lohne sich, betont Ralf Schäfer. „Magnums bekommen allein wegen der Optik immer besonders viel Aufmerksamkeit, ob als Geschenk, auf Privatfeiern oder im Restaurant.“ Als ich frage, wie man denn am besten einschenke, muss Schäfer schmunzeln: „Für die 3- Liter-Flaschen braucht man nur ein wenig Fingerspitzengefühl, doch die 6 Liter Imperial benötigen Ausschankhilfen. Die Flasche wird in einen Wagen eingespannt und mithilfe eines Rades langsam geneigt, bis man das Glas drunter halten kann. Bei großen Gesellschaften wird dieses Ausschenken richtig als Show Act zelebriert.“ Er selbst stelle auf seinen Geburtstagsfeiern immer mehrere Magnums und Doppel-Magnums zur Verfügung – das nenne sich dann „Big Bottle Party“, wie er mir erklärt.

Als Sammlerstück oder im Ausschank – die Nachfrage nach Magnums steigt, da sind sich die beiden einig. Deshalb sei es längst die Norm, verschiedene Größen vorrätig zu haben. „Bei uns wird eine schöne Auswahl an Magnums und Doppel-Magnums gefüllt. Imperials stellen wir nur gesondert her.“ Anfragen dafür gebe es immer häufiger, sehr zur Freude des Winzers. „Wir haben da eine Menge Spaß dran und überlegen bei jeder Ernte, welche Weine in die ,Big Bottles‘ gefüllt werden.“

Knapp 10 % der Weine werden in Sondergrößen verkauft. So könne man bereits den klassischen Schiefer-Riesling in der Magnum für unter 30 Euro erstehen – ein fairer Preis für ein solches Produkt, finde ich. Und das mit den Big Bottle Partys muss ich mir unbedingt merken… Vielleicht flattert da ja mal eine Einladung in mein Postfach?
Fotos: ©Didier Doceux - stock.adobe.co; tonwert21.de
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JOSEPHINES WELT
Der Winzer macht den Wein – und das war‘s? Nö! Auf dem Weg vom Rebstock ins Glas sind noch viele andere Personen beteiligt, die einen guten Geschmack beweisen müssen...

GUT ZU WISSEN

Die verschiedenen Größen und Bezeichnungen für Magnums unterscheiden sich von Region zu Region. Diese hier sind in Deutschland am gängigsten:
• Piccolo – 0.25 l
• Demi / Halb – 0.375 l
• Normalflasche – 0.75 l
• Magnum – 1.5 l
• Doppel-Magnum – 3 l
• Jeroboam – 5 l
• Imperial – 6 l
• Methusalem – 6 l
• Salmanasar – 9 l
• Balthasar – 12 l
• Nebukadnezar – 15 l
• Goliath / Melchior – 18 l
• Salomon – 20 l
• Sovereign – 25, 26 oder 50 l