Gut geschützt - Aktuelle Ausgabe - PRISE

Gut geschützt

Wie man sich richtig vor schädlichen UV-Strahlen abschirmt
Die Sonne ist etwas Wunderbares. Sie macht glücklich und hält gesund. Für rund die Hälfte der Deutschen ist der Sommer daher die liebste Jahreszeit. Wer genießt nicht gerne die warmen Strahlen auf der Haut? Doch auf unserem mit durchschnittlich etwa zwei Quadratmeter großen und damit wichtigsten Organ hinterlassen sie nicht nur ein wohliges Gefühl, sie können auch erheblichen Schaden anrichten. Weil das allgemein bekannt ist, gehört für die Mehrheit der Menschen zu einem Sonnenbad auf dem Balkon oder am Strand ein Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor (LSF, egnl.: sun protection factor = SPF).

Häufig wird jedoch vergessen, dass uns die Sonne nicht nur in der Freizeit begleitet, sie scheint jeden Tag für uns. Zumindest in den hellen Sommermonaten ist ausreichender Sonnenschutz also auch im Alltag ratsam: Das kann eine entsprechende Pflegecreme an exponierten Stellen wie dem Gesicht, den Ohren, Händen und Füßen sein, die Schirmmütze oder andere schützende Textilien. In Sachen Sonnenschutzmittel hat der Verbraucher die Wahl zwischen zwei Wirkprinzipien: Chemische Produkte absorbieren die Strahlen, wandeln sie in Wärme um und leiten diese über die Haut ab. Mineralischer Schutz reflektiert die Strahlung.
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„Während konventionelle Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern schützen, setzen naturkosmetische Sonnenprodukte auf unbedenkliche mineralische UV-Filter“, erklärt Naturkosmetik-Spezialistin Renée Dittrich von Pure Schoenheit in Lüneburg. Ihr zufolge haben beide Varianten Vor- und Nachteile, die jeder für sich abwegen sollte. Während die künstlichen, chemischen Substanzen schnell einziehen und die Haut samtweich hinterlassen, können sie bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Ihren Schutz entwickeln sie zudem erst nach 20 bis 30 Minuten. Mineralische Produkte hingegen sind viel besser verträglich, hinterlassen aber meist einen Film weißer Farbpigmente auf der Haut – dieser Schutzschild reflektiert die Strahlen. „Ich empfehle daher grundsätzlich eine individuelle Beratung“, so Dittrich weiter.
Die Folge unzureichenden Schutzes ist in erster Linie eine vorzeitige Hautalterung. Im schlimmsten Fall entwickeln sich jedoch im fortgeschrittenen Lebensalter aus den geschädigten und fehlerhaften Hautzellen Krebszellen. In jedem Jahr erkranken in Deutschland mehrere 100 000 Menschen an Hautkrebs, Tendenz steigend. Am häufigsten entsteht der helle Hautkrebs, der dann oftmals operativ behandelt werden muss. Der weitaus gefährlichere schwarze Hautkrebs kommt zwar weniger häufig vor, breitet sich aber dafür deutlich schneller im Körper aus und neigt oft zur frühzeitigen Metastasenbildung.

Der Lichtschutzfaktor

Bis zu einem gewissen Maße kann sich unsere Haut selbst vor der Sonne schützen. Zum einen nimmt in der Sonne die Dicke der Hornschicht zu. Es bildet sich eine sogenannte Lichtschwiele, die verhindern soll, dass die Strahlung in den darunterliegenden Hautschichten Schaden anrichtet. Zum anderen wird unsere Haut bei Sonneneinstrahlung braun. Die Farbe kommt daher, dass Melanozyten, die Pigmentzellen, unter der Hornhaut den dunklen Farbstoff Melanin bilden. Dieser wird in die benachbarten Zellen der Oberhaut abgegeben, sodass die darunterliegenden Hautschichten in einem gewissen Maße vor der Sonneneinstrahlung geschützt werden. Die Dauer des Selbstschutzes hängt wiederum vom individuellen Hauttypen ab. Davon gibt es sechs (s. Infokasten). An dieser Stelle kommen Sonnencremes ins Spiel. Der auf ihnen angegebene LSF zeigt, um welchen Faktor wir den individuellen Selbstschutz der Haut künstlich verlängern können. Diese Zeit des Selbstschutzes wird mit dem Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme multipliziert.
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Beispiel: Eine Person mit hellem Hauttyp II verfügt über eine Eigenschutzzeit von 10 bis 20 Minuten und verwendet ein Sonnenschutzmittel mit LSF 15.
10 Minuten x LSF 15 = 150 Minuten
20 Minuten x LSF 15 = 300 Minuten
Eine Sonnencreme mit LSF 15 verlängert die Zeit, bevor ein Sonnenbrand auftritt, bei dieser Person also auf einen Zeitraum von zweieinhalb bis fünf Stunden. Einen durchgehenden Sonnenschutz erreicht man aber nur durch regelmäßiges Nachcremen, das heißt ca. alle zwei Stunden, denn Schweiß, Wasser und Reibung tragen das Sonnenschutzmittel kontinuierlich ab. Unabhängig vom Hauttyp sollte niemand diese Zeit komplett ausreizen, denn die UV-Strahlung wird von der Sonnencreme nicht vollständig abgeblockt. Den Schatten der Sonne vorzuziehen, ist die goldene Regel – aber trotzdem eincremen!

Die Strahlung

Sonnenlicht setzt sich aus verschiedenen Strahlungen zusammen. Vor allem die UV-A- und UV-B-Strahlen sind diejenigen, vor denen Menschen ihre Haut schützen sollten. Die UVB-Strahlen der Sonne lösen den Sonnenbrand aus (kleine Eselsbrücke: B wie Brand) während UVA-Strahlen tiefer in die Hautschichten eindringen und zur Hautalterung beitragen. Der ausgewiesene Lichtschutzfaktor bezieht sich nur auf die UVB-Strahlung. Daher ist es wichtig, dass zusätzlich das UVA-Siegel (s. Abb. rechts) auf der Verpackung abgebildet ist. Aus dermatologischer Sicht gilt: je höher der LSF, desto besser. Ein durchschnittlicher Erwachsener kommt übrigens auf etwa 40 Milliliter Sonnencreme, um den ganzen Körper ausreichend mit Sonnenschutz zu versehen. Das entspricht zwei Schnapsgläsern.

Hautkrebs als Berufskrankheit

Ob Kanalbauer, Dachdecker oder Gemüsegärtner: Für rund 2,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland findet der Arbeitsalltag ganz oder überwiegend im Freien statt. Wer berufsbedingt jahrelang der Sonne ausgesetzt ist, hat ein höheres Risiko, an weißem oder schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Ersterer ist seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Dadurch haben Betroffene das Recht auf lebenslange, umfangreiche Leistungen ihrer Unfallversicherung. Menschen, die auffällige Hautstellen bemerken, sollten ihren Hautarzt um Rat fragen und dabei ihren (früheren) Beruf erwähnen. Denn die Anerkennung als Berufskrankheit kann auch rückwirkend erfolgen. akz/djd/jdr
Fotos: adragan; Javier brosch - stock.adobe.com; nh (1)
Wichtig: Gehen Sie regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge.
Wichtig: Gehen Sie regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge.

GUT ZU WISSEN

Wie die Haut können auch unsere Augen einen Sonnenschaden erleiden. Fachleute empfehlen daher, die Augen unter freiem Himmel vor UV-Licht zu schützen, um möglichen Erkrankungen vorzubeugen. Hochwertige Modelle absorbieren neben dem UV-Licht auch kurzwellige, energiereiche Anteile des sichtbaren blauen Lichts. Dadurch wird das Kontrastsehen verbessert, zudem werden störende Blendeffekte vermindert.

HAUTTYPEN

» Hauttyp I ist sehr hell und empfindlich: 10 Min.
» Hauttyp II hell: 10 bis 20 Min.
» Hauttyp III hell/hellbraun: 20 bis 30 Min. » Hauttyp IV hellbraun/oliv: 30 bis 45 Min.
» Hauttyp V dunkelbraun: 60 Min.
» Hauttyp VI dunkelbraun/schwarz: bis zu 90 Min.